Eine Bierprobe in Schweden —
ein Selbstversuch mit fünf Biersorten
aus dem Angebot von Systembolaget
Sorry, wir sagen es gleich deutlich vorneweg: Nach drei Tagen mit hohem Fieber pinkelt man
einen Urin, der farblich genauso aussieht wie diese fünf Biersorten. Die
fünf Biersorten werden in Schweden von Systembolaget, dem staatlichen Monopolgeschäft für
Alkohol, dennoch als "ljus lager" verkauft, also als helles Lagerbier.
Die fünf Sorten, die wir ausgesucht haben, stammten aus dem Standard-Sortiment einer Filiale
hier im Süden Göteborgs. Weil wir auch auf den Preis gesehen haben, kamen für unsere kleine
Bierverkostung nur Halbliter-Dosen bzw. -Flaschen in Frage. Dosen/Flaschen mit 0,33 l sind nämlich
noch teurer, wenn man auf den Literpreis schaut.
Zähflüssig, süß und "schwer"
Alle fünf Sorten unserer Bierprobe kamen uns zähflüssig, süß und "schwer" vor. Dabei hatten wir
von vornherein keine Biere mit mehr als 5,3 % vol. gekauft. Dazu kamen merkwürdige
Geschmacksnuancen von Ananas bis Zitrone.
Enttäuscht hat uns vor allem das Pilsner Urquell. Es erinnerte geschmacklich überhaupt nicht an
das Pilsner Urquell, das in Deutschland verkauft wird.
Bier-Fragen
Uns stellen sich einige Fragen:
- Was geschieht mit den Bieren, die Systembolaget importiert? Werden die Biere geschmacklich
dem schwedischen Markt angepasst? Gilt das für alle Biere oder nur einige?
- Warum ist der Biergeschmack in Schweden so anders? (Ja, wir wissen, dass viele
Lebensmittel und Getränke in Schweden süßer als auf dem Kontinent sind.)
- Gibt es im Sortiment von Systembolaget dennoch einige helle, frische und herbe Biere,
wie man sie aus West-, Nord- und Ostdeutschland kennt, und zwar in Halbliterflasche/-dose?
Zu unserem Geschmack: Wir sind aus Deutschland gewohnt, dass man ein durstlöschendes Bier zum
Essen trinkt, z. B. ein Bitburger, Warsteiner, Holsten, Jever, Radeberger usw. Aber auch Kölsch und
Alt haben wir im Rheinland gern getrunken. Süße Biere mit starkem Alkoholgehalt sind uns
fremd.
"Öppet köp":
Wir haben das Bier zurückgebracht

Wie aus der Quittung hervorgeht, haben wir jeweils zwei Dosen bzw. Flaschen jeder Biersorte
gekauft: Da die Biere in unserem kleinen "Test" schon beim ersten Schluck durchfielen,
brachten wir die jeweils zweite Dose bzw. Flasche wieder zurück. Systembolaget erlaubt drei Wochen
"öppet köp", d. h., man kann die gekauften Waren ohne Angabe von Gründen wieder zurückbringen und
sein Geld zurückerhalten ("återköp"). Das Prozedere ist zwar etwas umständlich, aber
keiner sieht einen deshalb komisch an.

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Bier holen aus Deutschland — zwei Umweltsünden
Wir sind auch schon einige Male nach Deutschland gefahren, nur um bei Lidl oder
aldi deutsches Bier (und einige andere Dinge) einzukaufen. Dafür kann man von Göteborg aus 16
Stunden veranschlagen, sechs hin und sechs zurück, dazu vier Stunden einkaufen. Wir sind nach
Burg auf Fehmarn gefahren (zunächst mit der Fähre Helsingborg — Helsingør, dann mit der Fähre Rødby
— Puttgarden). Rund 900 km hin und zurück, morgen um 6 losgefahren, abends um 10 wieder zu
Hause. Das ist eine ganz schöne Ochsentour und natürlich auch eine ziemliche Umweltsünde.
Die Umweltsünde, die die Schweden begehen, ist allerdings doppelt so groß. Sie fahren nach
Burg auf Fehmarn, um ihr schwedisches Bier billiger einzukaufen. Dieses Bier ist
manchmal am selben Morgen per LKW aus Schweden angekommen. Am Nachmittag findet das Bier dann per
PKW den Weg wieder zurück nach Schweden. Auch das ist eine Folge der schwedischen
Alkoholpolitik. Da kann man nur den Kopf schütteln.
Schwedischer Bierkonsum
Im Jahre 2008 trank jeder Schwede im Schnitt 31 Liter Starkbier.
Dazu kamen pro Kopf 4 Liter Leichtbier ("lättöl"), 70 Liter Limonade ("läsk") und
25 Liter Mineralwasser.
Anders als in Deutschland ist in Schweden die Dose noch immer die vorherrschende
Verpackungsform.
Die Zahlen für 2009 werden im April 2010 veröffentlicht.
Quelle: sverigesbryggerier.se .
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