Eine nette Pressemitteilung kommt heute morgen von der Stena Line aus Göteborg. Heute, am Freitag nach Christi Himmelfahrt, sind so viele Schweden zum Alkoholeinkauf in Deutschland wie an keinem anderen Tag des Jahres.
Auch hier in Schweden ist heute nämlich ein Brückentag. Dazu verlängert der Nationalfeiertag am Montag das sowieso schon lange Wochenende um einen Tag. Viele Schweden fahren heute nach Deutschland, um für Mittsommer und die Urlaubszeit Bier, Wein und Hochprozentiges zu bunkern.
Ungefähr 70% mehr Passagiere fahren in diesen Tagen mit den Fähren nach Deutschland als an einem normalen Wochenende. Ein neuer Rekord wird heute auch deshalb erwartet, weil die schwedische Krone zur Zeit recht stark ist.
Die Geschäftsleute in Kiel und Lübeck und auf Fehmarn dürfte es freuen. Größter Nutznießer ist wohl der Citti-Markt in Kiel, mit dem die Stena Line eng zusammenarbeitet. Eine Flasche Jägermeister kostet dort 91 SEK, während sie in Schweden im Systembolaget 249 SEK kostet.
Die Stena Line merkt in ihrer Pressemitteilung an, dass dieser “große Alkoholeinkaufstag” ironischerweise direkt auf den Christi-Himmelfahrts-Tag fällt, der in Schweden seit 1924 auch als Tag der Alkoholenthaltsamkeit (“folknykterhetens dag”) begangen wird.
Update 2011-06-20
Die Tageszeitung GöteborgsPosten hat eine Artikelserie zu diesen Alkoholeinkäufen veröffentlicht. In dieser Serie geht es aber nicht um PKW-Reisende, die kleine Mengen für den privaten Gebrauch einkaufen. Es geht um diejenigen, die im großen Stil einkaufen. Sie sind mit Bus und Kleinlastwagen unterwegs und kaufen Bier und Hochprozentiges palettenweise ein. Bevorzugtes Ziel ist Burg auf Fehmarn.
Wer Schwedisch kann, wird in den Artikeln Vieles finden, worüber man nur den Kopf schütteln kann: Z. B., dass jemand aus Mariestad nach Burg fährt, um dort Bier aus Mariestad zu kaufen, das morgens mit dem LKW aus Schweden angeliefert wurde und nun per PKW wieder nach Mariestad zurückgebracht wird. Das ist eigentlich eine Umweltsauerei ohne Gleichen, an der Fährgesellschaften, Frachtunternehmen, Tankstellen und nicht zuletzt die großen Alkohol-Discounter in Burg sehr gut verdienen.
Hier kommen die Links zu den hervorragend recherchierten Artikeln:
- http://www.gp.se/nyheter/goteborg/1.655332-tung-last-varje-onsdag
- http://www.gp.se/nyheter/goteborg/1.655374-sprithandeln-ett-jattemaskineri
- http://www.gp.se/nyheter/goteborg/1.655126-enorma-mangder-tysk-sprit-ger-klirr-i-kassan
- http://www.gp.se/nyheter/goteborg/1.655420-familjen-i-angered-tjanar-storkovan
- http://www.gp.se/nyheter/goteborg/1.656976-atalad-familj-fortsatter-langa
- http://www.gp.se/nyheter/goteborg/1.655138-sa-mycket-tjanar-langarna
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Schade, das sowas auch noch positiv gesehen wird
Ich sehe es nicht positiv, Karsten. Und damit meine ich nicht nur den kommerziellen Schmuggel per Bus, LKW oder Transporter, sondern auch die privaten “Alkohol-Einkaufsfahrten”. Der Schmuggel im großen Stil führt immer wieder dazu, dass Jugendliche und Kinder Zugang zu Alkohol erhalten, den sie sonst nicht gehabt hätten. Die privaten Fahrten sind ein Irrsinn, wenn man an die Umwelt, den Zeitaufwand und die eigene Gesundheit denkt.