Ingemar (im Vordergrund), Linda (rechts) und Peter (hinten). Mit im Bid ist auch Mari Aune (links). (Bild: Bandit Rock Göteborg)
Die Morgen-Show “Rivstart” aus Göteborg hat ein ungewöhnliches Format: Sie wird gleichzeitig im Radio und im Fernsehen ausgestrahlt. Und das schon seit über drei Jahren.
Bis zum Sommer 2008 hieß die Truppe um Ingemar Allén, Peter Sandholt und Linda Fyrebo noch “Morrongänget”. Da wirkten sie bei Radio City, einer lokalen Radiostation in Göteborg. Als Radio City in “Mix Megapol” umfirmiert wurde, verließen die drei populären Moderatoren die Station. Das Konzept der Morgen-Show nahmen sie mit. Den Namen der Sendung mussten sie allerdings zurücklassen.
Seit September 2008 senden die drei unter dem neuen Namen Rivstart beim Göteborger Rock-Sender “Bandit Rock”. Gleichzeitig wurde ihr Programm auch im lokalen Fernsehkanal ausgestrahlt. Seit dem 1. März 2010 läuft es sogar im nationalen Fernsehkanal TV6, und zwar wochentags zwischen 7 und 9 Uhr.
Enge Interaktion
Die drei Moderatoren sind vor allem durch enge Interaktion mit ihren Hörern bekannt geworden. Die Hörer können jederzeit anrufen und werden direkt ins Programm geschaltet. Oft sind diese Telefonate nur einige Sekunden lang. Der Ton im Studio ist meist sehr locker, humorvoll und frotzelig. Manchmal allerdings wenden sich die Moderatoren auch ernsthafteren Themen zu, z. B. der schwedischen Sprache – Ingemars Vater ist Professor Sture Allén, Sprachwissenschaftler und Mitglied der Schwedischen Akademie.
Zum Konzept der Sendung gehören auch allerlei Spiele, Umfragen und vor allem spontane Anrufe bei Prominenten. Nicht alle “Opfer” finden die unangemeldeten Anrufe witzig: Der ehemalige schwedische Fußballnationalspieler Tomas Brolin z. B. war lange Zeit über die Anrufe derart erbost, dass er erst nach Vermittlung vom früheren Hochsprungweltrekordler Patrik Sjöberg mit den drei Moderatoren sprechen wollte.
Bimedialer Spagat
Das Konzept der gleichzeitigen Ausstrahlung in Radio und Fernsehen ist sehr erfolgreich, aber es erfordert einige Kompromisse. Wer die Sendung im Radio hört, wird häufig empfinden, dass zu wenig Musik gespielt und zu viel geredet wird – die Sendung ist “wortlastig”. Wer dagegen die Sendung im Fernsehen verfolgt, wird manchmal die starken Bilder vermissen, die das kombinierte Radio- und Fernsehstudio nicht liefern kann. Diese Kompromisse sind aber auch ein Teil des Charmes der Sendung.
Die Moderatoren haben verschiedene Lösungen getestet, was sie im Fernsehen machen können, während im Radioprogramm Musik läuft. Manchmal haben sie Musikvideos genommen, die dann parallel im Radio (Ton) und im Fernsehen (Bild und Ton) laufen. Heute machen sie es oft so, dass sie ihre Talk-Show im Fernsehen einfach fortsetzen, wenn im Radio Musik läuft. Technisch und vom Zeitablauf her ist das nicht einfach zu lösen. Ingemar spricht von einem “organisierten Chaos”, durch das die drei Moderatoren ihre Zuhörer und Zuschauer mit viel Spaß leiten.
Die schwedische Radio-Branche hat “Rivstart” als beste ”Morgen-Show des Jahres 2009″ ausgezeichnet.
(Sendung vom 20. April 2010 – Linda ist nicht im Studio, sie bekommt ein Kind.)
Fußnote: Uns interessiert, ob es sowas auch in Deutschland gibt. Kennt Ihr eine Sendung, die bimedial ausgestrahlt wird, also in Hörfunk und TV? Ich kann mich nur an die Night-Talk-Sendung “Domian” vom WDR erinnern, die das gemacht hat oder vielleicht auch heute noch macht.
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