Nach einer Sendung des schwedischen Fernsehsenders SVT haben die Krisenmanager von IKEA gut zu tun. SVT-Journalisten haben nämlich enthüllt, dass rund 100 Milliarden Schwedenkronen des IKEA-Gründers Ingvar Kamprad in einer Stiftung m Steuerparadies Liechtenstein liegen. Sie sollen dorthin auf dem Weg über Stiftungen und Briefkastenfirmen in Holland, Luxemburg und Belgien gelangt sein.
Die SVT-Sendung “Uppdrag granskning” konnte allerdings keine Verstöße gegen Gesetze konstatieren. Sie stellte aber die Frage, warum IKEA immer noch die Hilfe schwedischer Behörden und Botschaften in Anspruch nimmt (z. B. bei Zollfragen oder bei Neuetablierungen im Ausland) und warum die blau-gelbe Fahne vor allen IKEA-Warenhäusern weht, obwohl IKEA ein holländisches Unternehmen ist.
Die Sendung kritisierte auch, dass Ingvar Kamprad sich gern als trottelig und geistesschwach präsentiert (er sagt von sich selber, er sei “ordblind och smådum”), obwohl er in Wirklichkeit ein gewiefter Geschäftsmann und glänzender Rhetoriker sei. Er habe sein Geld und sein Imperium keineswegs verschenkt, sondern er sei reich und habe nach wie vor großen Einfluss auf sein Lebenswerk. Die Sendung warf Kamprad überdies vor, dass er die “swedishness” (O-Ton Kamprad) und das Småländische seines Unternehmens zelebriert, obwohl er Schweden schon seit langem privat, mit seinem Unternehmen und mit seinem Geld den Rücken gekehrt hat.
Schwedische Zuschauer waren nach der Sendung zum Teil sehr aufgebracht. “Lasst den Mann in Ruhe”, hieß es von vielen Seiten. Kamprad ist eine Ikone, IKEA ein Synonym für Schweden – Kritik an IKEA wird von vielen Schweden als Nestbeschmutzung angesehen.
Die SVT-Sendung wird noch einen zweiten Teil haben.
Links:
- SVT-Fernsehsendung “Uppdrag granskning” (Video verfügbar bis 22.7.2011)
- SVT-Fernsehsendung “Debatt” (Video verfügbar bis 18.6.2011)
- IKEAs Stellungnahmen nach der SVT-Sendung (auch auf englisch)
- Bericht in der Tageszeitung GP
Update 2011-02-02
Heute ging es im zweiten Teil von “Uppdrag granskning” (SVT) vor allem um zwei Fragen: Welche moralischen Aspekte haben Ingvar Kamprads Steuertricks? Und wer kommt nach Ingvar Kamprad?
Die Sendung warf Kamprad vor, dass seine – legalen – Steuertricks (“avancerad skatteplanering”) nicht mit dem schwedischen Modell vom Wohlfahrtsstaat und Volksheim vereinbar seien. Wer draußen in der Welt seine “swedishness” betone, solle sich an die Werte, Regeln und moralischen Grundsätze Schwedens halten, auch in Steuerfragen. Unausgesprochen, aber gleichwohl spürbar war der Aufruf, er möge aus der Schweiz nach Schweden zurückkehren und hier alle seine Steuern bezahlen.
Durch die beiden Sendungen wurde deutlich, dass IKEA keineswegs von einer gemeinnützigen Stiftung in Holland gesteuert wird. Vielmehr hat Ingvar Kamprad nach wie vor die volle Kontrolle über sein Unternehmen, und zwar durch eine bislang unbekannte Stiftung in Liechtenstein. Damit stellt sich die Frage, wer auf Kamprad folgen wird. Kamprad hat drei Söhne, die aber bislang alle keine Posten bei IKEA innehaben, die ihnen einen Überblick über das gesamte Imperium geben. Wer also soll IKEA nach Ingvar Kamprad führen?
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