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Ein deutscher Themenabend mit "Inga Lindström" und dem "Tatort" im schwedischen Fernsehen SVT

Die Sonntagabend-Filme "Inga-Lindström" laufen im ZDF seit 2004. Die Bücher für die Reihe schreibt die Drehbuch- und Romanautorin Christiane Sadlo. Nun sind es schon weit mehr als 30 Folgen.

Die Filme spielen immer vor schwedischer Kulisse. Laut ZDF erreichen sie bisher im Schnitt 6,88 Millionen Zuschauer.

Nun zeigte auch der schwedische Sender SVT2 zwei Lindström-Filme hintereinander an einem Samstag abend. Am selben Abend lief überdies eine "Tatort"-Folge mit TV-Kommissar Borowski, der in dieser Folge auch in Schweden ermittelt.

Das Programm des Abends findet sich im gelben Kasten rechts.

Drehbuchautorin Christiane Sadlo:
"Mal schauen, ob es dafür einen Markt gibt"

Vor der Ausstrahlung der beiden "Inga Lindström"-Filme im SVT sagte die Drehbuchautorin Christiane Sadlo der Nachrichtenagentur ddp: "Mal schauen, ob es dafür einen Markt gibt."

Sie fügte hinzu, es sei klar, dass die Filme keine schwedische Realität seien. Sie habe zudem den Eindruck, dass die Schweden anders mit Fernsehen umgehen: *Diese Kitsch- und Emotionsebene, die wir mit Pilcher begonnen haben, gibt es dort nicht so deutlich." Andererseits sei sie von Leuten angerufen worden, die sagten, *wir würden so etwas auch gerne sehen".

 

Deutsche lieben Schweden,
doch andersherum ist es schwer

Der (offenbar) Deutsche Niels Reise beschreibt in einem Beitrag für die SVT1-Fernsehsendung "Kobra" und in einer Dokumentation für den Themenabend auf SVT2 (beide Oktober 2008) das deutsch-schwedische Verhältnis, wie er es sieht.

Deutsche pflegten eine "Über-Liebe" zu einem "Kitsch-Schweden", behauptet er einleitend. In Deutschland gebe es über 200 "Astrid-Lindgren-Schulen", aber nur eine einzige in Schweden. Er nennt dieses Liebesverhältnis das "Bullerbü-Syndrom" und greift damit eine Wendung auf, die der ehemalige Leiter des Goethe-Instituts in Stockholm, Berthold Franke, geprägt hat. Die Deutschen würden nicht das wirkliche Schweden lieben, sondern ein erfundenes Sehnsuchtsland, das sie "Schweden" nennen.

Negatives Deutschlandbild

Diese Liebe würde von den Schweden nicht erwidert. Er sei noch nie in einem Land gewesen, das ein so negatives Deutschlandbild habe wie Schweden. Die Schweden würden vielmehr die USA lieben. Und nicht die Deutschen. Und für die Begründung müsse man nur ins Geschichtsbuch gucken, lässt er einen amerikanischen Schauspieler sagen.

Abschließend stellt er die Frage, ob die Schweden, die ja "genetisch den Deutschen so ähnlich" seien, auch deshalb auf die Deutschen herabsähen, weil sie eine "alte Selbstverachtung" mit sich herumtrügen.

 

Wie wir das deutsch-schwedische Verhältnis sehen

Wir können die Meinungen von Niels Reise kaum teilen. Wir verstehen auch nicht, warum der Sender SVT ausgerechnet einen Deutschen das Deutschlandbild der Schweden beschreiben lässt. Das hätte doch besser ein Schwede getan. (SVT lässt seine Zuschauer darüber im unklaren, wer Niels Reise ist. Keine Vita, keine Pressemitteilung, und selbst Google gibt kaum etwas her.)

Deutsche und schwedische Fahne

Klar gibt es Schweden, die den einen oder anderen Deutschen nicht mögen. Vielleicht haben sie schlechte Erfahrungen gemacht, mit deutschen Geschäftspartnern oder deutschen Urlaubern. Auch ich habe schon mal Ablehnung erfahren, aber nicht weil man mich als Deutschen zurückgewiesen hat, sondern weil ich mich als Walther Plette daneben benommen habe.

Deutsche und Schweden sind sich sehr, sehr ähnlich. Gerade daraus resultieren oft Missverständnisse (man meint, der andere müsse doch wissen, wie man sich in einer bestimmten Situation richtig verhält) und auch brüderliche Konkurrenzsituationen.

Mehr zum deutsch-schwedischen Verhältnis

Tilmann Bünz schreibt über seine Erfahrungen als Deutscher in Schweden in seinem Buch "Wer die Kälte liebt: Skandinavien für Anfänger", München 2008 (btb-Verlag). Informationen über dieses Buch finden sich auf unserer Seite mit Reiseliteratur über Schweden.

Mehr zum deutsch-schwedischen Verhältnis finden Sie auch auf unserer Seite Auswandern nach Schweden.

So sah der deutsch-schwedische Fernsehabend aus

Samstag, 25. Oktober 2008, SVT2:

19.30 Inga Lindström: Sommer der Entscheidung. Deutsches Liebesdrama 2008.

21.05 Das perfekte Land. Schwedische Reportage 2008. Ein Programm von Niels Reise.

21.25 Inga Lindström: Der Zauber von Sandbergen. Deutsches Liebesdrama 2008.

22.55 Deutsches Fernsehen über die Stockholmer Schären. Deutsche Reisereportage 2004.

23.45 Tatort: Mann über Bord. Deutscher Kriminalfilm 2006.

 

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"Sieh mal, wie schön das hier ist!"

So oder so ähnlich heißt es bestimmt fünf- oder sechmal in "Inga Lindströms" Film "Sommer der Entscheidung". Ja, auch wir fanden die Bilder fantastisch. Aber, bitte, was hatte das mit Schweden zu tun? Nichts! Christiane Sadlo behauptet das auch nicht.

Sadlo schreibt eine Liebesgeschichte (ziemlich konstruiert zudem) und braucht dafür ein Milieu, das mit großartigen Bildern und enervierender Musikbegleitung eine romantische, sehnsuchtsvolle Stimmung erzeugt, die einem die Tränen in die Augen treiben soll. Der Film wurde zwar in Sörmland gedreht, hätte genauso gut aber im Schwarzwald oder in Mecklenburg spielen können.

In diesem Film trübt keine Mücke das Bild und kein Regentropfen. Armes Bavaria-Filmteam, das in Nyköping vielleicht zwei Wochen lang darauf warten musste, bis endlich das richtige Wetter für den Dreh gekommen war ...

Wir fanden den Film einfach nur seicht, mit mäßigen Schauspielerleistungen. Viele Schweden werden ihn bizarr gefunden haben. Aber ausgerechnet an diesem Film eine Diskussion über das schwedisch-deutsche Verhältnis aufzuziehen war ein Fehltritt des schwedischen Fernsehens SVT.

 

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