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Kungsleden
Aussicht vom Tjäktja-Pass Richtung Sälka

Der Kungsleden: Nördlicher Abschnitt
von Abisko bis Nikkaluokta, 105 km

Ich möchte gleich zu Beginn anmerken, dass dieser Bericht vollkommen subjektiv ist und eine persönliche Liebeserklärung an einen phantastischen Wanderweg in Lappland. Ich bin diesen Streckenabschnitt des Kungsleden selbst im Frühsommer 2008 auf Empfehlung eines Bekannten hin gewandert und hoffe, das möglichst bald wieder tun zu können. Ich beginne nun zu begreifen, warum Wanderer, die diesen Weg einmal gelaufen sind, von "Sucht" sprechen und immer wieder zurückkehren wollen. Die Sehnsucht bleibt immer im Herzen.

Einer der schönsten Fernwanderwege der Welt

Der Kungsleden ("Königspfad") ist insgesamt rund 425 km lang und zählt zu den schönsten Fernwanderwegen der Welt. Er wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts von der Schwedischen Touristenvereinigung STF angelegt, die 1906 die erste Fjällstation in Abisko errichtete. Der Kungsleden reicht von Abisko im Norden bis nach Hemavan im Süden (Hemavan liegt nahe der schwedischen Slalom-Metropole Tärnaby).

Der Abschnitt zwischen Abisko und Nikkaluokta mit einer Länge von 105 km ist am beliebtesten und zugleich der gebirgigste. Ausgehend von Abisko gibt es zunächst flaches und baumbestandenes Gelände. Dann steigt der Weg immer weiter hinauf in die alpine Bergwelt. Bei 24-Stunden-Tageslicht sieht man hier Birkenwälder, alpine Bergwiesen, vorbeiziehende Rentierherden, Samen-Hütten, reißende Flüsse oder geröllige Gebirgslandschaften. Es werden faszinierende Wechsel, phantastische Stille, Weite und einfach wunderbare Naturerlebnisse geboten.

Fjällstationen

Entlang dem Weg befinden sich im Abstand von 10 bis 20 km mehrere Fjällstationen, die zur Sommersaison ca. Ende Juni öffnen (und bis ca. Mitte/Ende September geöffnet sind). Die Öffnungszeiten sind immer von den Wetterbedingungen bzw. vom verbliebenen Schnee abhängig. Die Fjällstationen verkaufen teilweise Proviant bzw. Trekking-Food (zu hohen Preisen) und bieten Übernachtungsmöglichkeiten an.

Außerhalb der Saison haben alle Stationen einen Not-Schutzraum geöffnet, wo es oftmals Betten und einen Kaminofen mit begrenztem Holzvorrat gibt. Wer nicht in der Zeit wandert, zu der die Hütten definitiv bereits geöffnet haben (Auskünfte zum Saisonstart bei der schwedischen Touristenvereinigung: www.svenskaturistforeningen.se/de/ ), muss damit rechnen, Verpflegung für den gesamten Trip dabeizuhaben.

Wegmarkierungen

Der Weg selbst ist markiert. Entweder weisen Steinhäufchen, Schilder oder rote Kreuzchen auf Pfählen darauf hin, wie es weitergeht. Manchmal geht es über Brücken und Planken, manchmal muss man sich selbst seinen Weg durch/über Bäche suchen, insbesondere, wenn man während der Schneeschmelze unterwegs ist.

Als wir den Trip Mitte Juni begannen, waren viele Markierungen schlicht und einfach noch vom Schnee verdeckt. Insgesamt waren große Teile des Weges nur durch tiefen Schnee und auf Umwegen zu bewältigen. Kartenmaterial ist also in jedem Fall ratsam!

Frühsommer oder Hochsommer?

Meine eigenen Erfahrungen basieren auf einer Wanderung, die ich im Frühsommer unternommen habe. In den höheren Lagen gab es noch viel Schnee, teilweise am "Tjäkta"-Pass so viel, dass uns andere Wanderer entgegen kamen und meinten, man käme dort nicht weiter und man müsse umkehren. Insofern muss man sich je nach Wanderzeit auf andere Beschaffenheiten des Weges und andere Temperaturen einstellen, was auch unterschiedliche Ausrüstung erfordert.

Ich habe gehört, dass die Mückenplage im "Hochsommer" ziemlich anstrengend ist. Davon haben wir noch nichts mitbekommen. Ein anderer Vorteil, wenn man so zeitig und zu Beginn der Saison unterwegs ist, kann sein, dass einfach viel weniger Leute unterwegs sind. Als wir unterwegs waren, trafen wir lediglich eine Handvoll Leute. Erst gegen Ende des Trips, als die Fjällstationen bereits geöffnet hatten, und vor allem auf der Kebnekaise-Station, wurde es regelrecht "voll".

Anreise und Abreise mit dem Zug

Der Trip beginnt in Abisko, wohin man von Stockholm aus mit dem Zug reisen kann. Zur Hauptsaison empfiehlt es sich, die Tickets vorher zu kaufen (schwedische Bahn: www.sj.se ). Wir hatten Glück und konnten auch ohne Vorbestellung direkt in den Zug steigen.

Der Zug kommt direkt neben der Touristenstation in Abisko an, wo es u.a. einen Laden gibt, wo man die letzten Ausrüstungsgegenstände für die Tour sowie Verpflegung kaufen kann. Durch ein hölzernes Tor betritt man dann symbolisch wie auch geographisch den Kungsleden und lässt nun die Annehmlichkeiten der Zivilisation hinter sich. Am Ende des Trips in Nikkaluokta fährt man mit dem Bus nach Kiruna, von wo aus man dann mit dem Zug weiterkommt.

Viel Zeit einplanen

Aufgrund meiner eigenen Erfahrungen und teilweise gemachten Fehlern möchte ich abschließend nun noch ein paar Tipps geben. Ganz grob über den Daumen geschätzt kann man mit ca. 10 Tagen bei einer täglichen Strecke von 10 km rechnen. Wir haben mit viel Schnee, Umwegen und zwei Tagen Aufenthalt zwischendurch diese Zeit gebraucht. Im Hochsommer wandert es sich sicherlich wesentlich schneller. Ich empfehle, lieber ein wenig zu großzügig als zu knapp zu planen, aus folgenden Gründen:

  • Diese Tour ist körperlich anstrengend, und zwischendurch kann es einfach wunderbar sein, mal einen Ruhetag einzulegen.
  • Es kann sein, dass man sich Blasen läuft und deshalb langsamer als geplant vorankommt.
  • Klitschnasse Schuhe werden eventuell nicht bis zum nächsten Tag trocken.
  • Man möchte einfach einen Platz noch länger genießen.

Ausrüstung, Kleidung und Verpflegung

Über Kleidung und die zu veranschlagenden Kosten dafür lässt sich streiten. Ob Synthetik, Wolle oder Baumwolle muss z. B. jeder selbst entscheiden.
In jedem Fall aber sollten die Sachen schnell trocknen.

  • Warme Kleidung gehört in den Bergen immer ins Gepäck.
  • Niemals sparen sollte man meiner Meinung nach an seinen Schuhen, Billig-Schuhe können einem den gesamten Trip verderben. Sie sollten vor allem absolut wasserdicht sein oder durch gutes Wachs gemacht werden können und vorher gründlich eingelaufen worden sein.
  • Regenkleidung muss nicht teuer sein, aber sie muss einen trocken halten und wirklich schützen.
  • Lieber einen zu warmen als zu dünnen Schlafsack mitnehmen.
  • Auch beim Zelt auf Qualität achten. Es sollte wirklich absolut wasserdicht sein, und jedes unnötige Gramm mehr macht sich auch beim Zelt bzw. beim Tragen bemerkbar.
  • Man sollte auch einen gut passenden Rucksack auswählen, bei dem das Gewicht wirklich vernünftig auf den Hüften ruht. Von Vorteil ist auch, wenn sich der Rucksack einem kurzen oder langen Rücken anpassen lässt.
  • Als Verpflegung empfiehlt sich wegen des geringen Gewichts Tüten-Trekking-Food, das mit heißem Wasser aufgekocht wird. Eine wesentlich billigere und Abwechslung garantierende Alternative bieten z.B. auch Tüten-Gerichte aus dem Supermarkt. Schokolade wiegt vergleichsweise viel, kann aber ein unwahrscheinlicher Genuss und Stimmungsaufheller sein.
  • Generell gilt: Auf einem solchen Trip sollte "möglichst leicht" bei allem die Devise sein. Man spürt wirklich jedes Gramm auf dem Rücken. 

Ausrüstung und Kleidung kann man sich auch von anderen leihen, wenn man erst mal selbst nicht so viel investieren will oder kann und testen möchte, ob diese Art von Urlaub etwas für einen ist.

Mindestens zu zweit, besser in einer Gruppe

Aus Sicherheitsgründen sollte man diese Wanderung mindestens immer zu zweit machen, ich empfehle aber eher noch drei bis vier oder sogar mehr Leute:

  • Zum einen aus psychologischen Gründen. In der Gruppe macht es einfach mehr Spaß.
  • Die Gruppe gibt mehr Kraft (im oft gemeinsamen "Leid").
  • In unvorhergesehenen Situationen kann es gut sein, wenn nicht einer alleine zurückbleiben muss.

Wir sind zu zweit aus Deutschland kommend losgewandert und wurden nach zwei Tagen eine schwedisch-deutsche Gruppe aus insgesamt sieben Leuten, was unglaublich viel Spaß gemacht hat, einen zusammenschweißt und in kritischen Situationen die Sicherheit aller gewährt (als es z. B. um die Passüberquerung ging, die uns andere Wanderer als "unmöglich" geschildert hatten, sind zwei aus unserer Gruppe nur mit Tages-Gepäck losgezogen, um den Weg zu testen, während die anderen fünf den Tag an der Hütte zurückgeblieben sind).

Allen, die diesen Abschnitt des Kungsleden wandern wollen, wünsche ich schon jetzt eine unvergessliche Zeit dort!

Silke Nordfjäll, im Februar 2013 —
auch alle Bilder auf dieser Seite stammen von ihr

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Gelaufene Teilstrecken (von Nord nach Süd)

Abisko — Abiskojaure, 15 km
Abiskojaure — Alesjaure, 20 km
Alesjaure — Tjäktja, 13 km
Tjäktja — Sälka, 12 km
Sälka — Singi, 12 km
Singi — Kebnekaise, 14 km
Kebnekaise — Nikkluokta, 19 km

Über die Autorin

Silke Nordfjäll lebt in Gästrike-Hammarby, Gästrikland. Sie betreibt dort ein Bed&Breakfast, zu dem auch ein Ferienhaus gehört. Auf dem 6 h großen Hof wohnt man abgelegen und ruhig mitten im Wald und direkt am See. Angeln und Schwimmen kann man direkt vor der Tür. Infos: www.vastanvindsgarden.com .

 

  

 

Kungsleden, nördlicher Abschnitt

Kungsleden, nördlicher Abschnitt

Kungsleden, nördlicher Abschnitt

Kungsleden, nördlicher Abschnitt

Kungsleden, nördlicher Abschnitt

Zugfahrt nach Abisko
Zugfahrt nach Abisko

Kungsleden

Kungsleden, Tallandschaft am Kebnekaise

Kungsleden, Tallandschaft am Kebnekaise
Tallandschaft am Kebnekaise

Rentiere

Rentiere

Blick vom Kebnekaise
Blick vom Kebnekaise-Anstieg

Kungsleden

Aussicht vom Tjäcktja-Pass Richtung Alesjaure
Aussicht vom Tjäktja-Pass Richtung Alesjaure

Anstieg zum Kebnekaise
Anstieg zum Kebnekaise

Blasenbehandlung
Blasenbehandlung

Auf der Fjällstation Alesjaure
Auf der Fjällstation Alesjaure

Erschöpft nach dem Aufstieg zum Tjäktja-Pass
Erschöpft nach dem Aufstieg zum Tjäktja-Pass

Letzte Meter zur Sälka-Fjällstation
Letzte Meter zur Sälka-Fjällstation

Hütte der Sami
Hütte der Sami

Nothütte auf dem Tjäktja-Pass
Nothütte auf dem Tjäktja-Pass

Kungsleden