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Nordschweden

Nordlichter, Elche und Schneehunde
in Nordschweden

Wenn ich schon mal für ein halbes Jahr in Stockholm wohne, dann muss ich auch möglichst viele typisch schwedische Dinge erleben. Ganz oben auf der Wunschliste: Elche in freier Natur, viel Schnee und Nordlichter sehen. Jedoch führte das regelmäßige Joggen durch ein Naturschutzgebiet nicht zur gewünschten Begegnung mit Elchen und das abendliche Prüfen der Polarlichtvorhersage führte mich erfolglos in immer dunklere Vororte Stockholms und auf zahlreiche Anhöhen. Doch der Himmel blieb immer dunkel. Mein Auslandssemester schien also mit jedem beliebigen anderen Land austauschbar, wenn ich nicht bald etwas unternehmen würde.

Zusammen mit fünf Freunden buchte ich drei Tage Nordschweden. Einen Tag Kiruna, zwei Tage Abisko. Laut Spiegel soll man vor allem in Abisko, durch ein einzigartiges Mikroklima, die beste Chance haben, die Nordlichter (Aurora Borealis) in Europa erblicken zu können. Mit dieser Garantie traten wir dann im Januar die Reise in den hohen Norden an. Und wir sahen Nordlichter, Unmengen an Schnee, 14 Elche in freier Wildbahn und eine unvergessliche Landschaft.

Nordlichter

Vorab: Es gibt keinerlei Garantie, Nordlichter zu sehen. Man muss einfach Glück und auch Ausdauer haben. Bereits am ersten Tag trafen wir auf enttäuschte Hamburger, die die Suche nach den Lichtern bereits aufgegeben hatten. Größtes Problem: Aurora Borealis ist kein täglich auftretendes Phänomen. Man benötigt vor allem freie, wolkenlose Sicht, Dunkelheit und last but not least Sonnenaktivität. Und wenn diese Umstände alle zutreffen und sie auftreten, dann sind sie meist nur kurz am Himmel zu beobachten, zwischen wenigen Sekunden und einigen Minuten. Besonders glückliche Beobachter berichteten von ganzen Abenden mit tanzendem Licht.

Ein Problem sind die niedrigen Temperaturen, die hier tief unter dem Gefrierpunkt liegen: Da kühlt der Körper schnell runter und man bevorzugt ein Dach über dem Kopf. Und anders als ein Gewitter sind Nordlichter lautlos; das heißt, man bekommt keinerlei Signale, wann man die vier Wände verlassen sollte.

Wie erwähnt, soll laut Spiegel die Wahrscheinlichkeit, in Abisko die Nordlichter zu erblicken, um einiges höher als in anderen Regionen Europas sein. Aufgrund des einzigartigen Mikroklimas soll es hier wenig Niederschläge und einen oft wolkenlosen Himmel geben.

Aurora Skystation

Vorab, auf der Aurora Skystation hat man leider keine höhere Chance, die Lichter zu erblicken, als im Tal. Aber die Skystation bietet geführte Touren und Informationen rund um die Nordlichter, was sich absolut lohnt.

Außerdem hat man eine fabelhafte Aussicht auf Abisko, das Tal und die Bergwipfel bis zum Kebnekaise, dem höchsten Berg Schwedens. Zusätzlich bekommt man Schneeanzüge, um es möglichst lange auf dem Berg auszuhalten. Man sollte auf keinen Fall auf den Schneeanzug verzichten. Dort oben auf den 800 Metern weht ein ganz schön laues Lüftchen bei den ohnehin 20 Grad Minus.

Wir hatten Pech und Glück bei unserem Skystation-Besuch: Zu Beginn hatten wir fast freie Sicht und hatten aufgrund des Vollmonds einen famosen Blick auf das surreal wirkende Wintertal. Jedoch tauchten trotz hoher Sonnenaktivität keine Nordlichter auf, wobei die Augen zusätzlich vom hellen Mondlicht abgelenkt wurden.

Dann zog es sich gegen 24 Uhr langsam zu, die ersten enttäuschten Gäste fuhren bereits wieder mit der Seilbahn ins Tal. Und dann plötzlich Rufe und Hektik. Die Mitbeobachter entdeckten in einer Wolkenlücke ein grünes Funkeln. Dies verschwand aber so schnell, wie es gekommen war. Ein Raunen ging durch die Menge. Doch dann tauchte wieder ein grüner Schimmer an einer anderen Wolkenlücke auf, blieb einige Sekunden und verschwand wieder. Bei diesen Nordlichtbegegnungen blieb es dann. Wir waren enttäuscht, einer hat das Spektakel sogar verpasst, weil er zu weit von der Station entfernt war und schlicht in eine andere Richtung schaute.

Abisko Nordlicht-Insider-Tipp

Die Skystation bietet eine Webcam, die annähernd minütlich Updates vom Himmel über Abisko online stellt an. Die Aufnahmen sind langzeitbelichtet und hierdurch ist die Kamera sensibler als das menschliche Auge und kann das Auftreten der Nordlichter bereits beim ersten schwachen Leuchten ausmachen. Um nicht in der Kälte bei minus 20 Grad zu erfrieren, kann man es sich in der Stuga oder im Hotel gemütlich machen und via Computer oder Smartphone in regelmäßigen Abständen sein Browserfenster aktualisieren.

Tritt dann ein grüner Schein bei der Webcam auf, dann sollte man schleunigst raus, um die Nordlicht-Phase nicht zu verpassen. Wir hatten am zweiten Tag großes Glück und sahen ein 15-minütiges Aurora-Borealis-Spektakel. Ein grüner Schleier erstreckte sich vom einen zum anderen Horizont und wand sich wie eine Schlange am Himmel. Ein unglaubliches Erlebnis für alle. Es war 16 Uhr und gerade erst dunkel geworden. Ohne die Webcam hätten wir das Licht schlicht verpasst.

Aktivitäten in Abisko

"Lights over Lapland" ist eine professionell geführte Tour, bei der ein geschulter Fotograf Hobbyfotografen hilft, Bilder von Nordlichtern zu machen. Auf der Website gibt es tolle Beispiele.

Wer aber denkt, dass Nordlichter das Einzige ist, was Abisko im Winter zu bieten hat, der irrt. Die traumhafte Natur lädt hier zum Entdecken ein. Zu Fuß kann man zugefrorene Flüsse sehen, ein nachgebautes Samencamp besuchen oder zum Torneträsk-See gehen. Dort gibt es eine Sauna und wer einen Presslufthammer dabei hat, kann sicherlich auch Eisschwimmen gehen. Darüber hinaus kann man hier auch Schlittenfahren, Schneeschuhwandern, Eisklettern, Schneemobilfahren… Einfach alles, was der Wintersport so hergibt.

Schlittenhunde

Ein weiteres persönliches Highlight war eine Schlittenhundefahrt. Hier empfehle ich besonders Abisko Dogsled: das Paar Morgan und Lina, die ihre Hunde lieben und die Tour sehr persönlich gestalteten. Wir lernten ihre Hunde kennen, halfen, den Schlitten fertig zu machen, und erfuhren, wie man die Hunde motiviert. Einer pinkelte mich aus lauter Freude an, was sofort an der Leihhose gefror.

Es gibt zwei verschiedene Möglichkeiten, entweder man lenkt selbst einen Schlitten oder lässt sich von Morgan und Lina kutschieren. Wir wählten Letzteres, da das eigene Lenken laut Internetseite sehr schwierig sein soll. Bei 20 Grad Minus und Fahrtwind resümiere ich: eine gute Entscheidung. Außerdem hat uns Morgan so alles über seine Hunde erzählen können.

Elche

Schweden-Expertin Antje Strubel schrieb, dass sie noch nie in Schweden einen Elch in freier Wildbahn gesehen hatte, so sehr sie auch suchte. Auch mir ging es bis zu dieser Reise nicht anders. Ich denke aber, dass man in Abisko mehr Chancen hat, Elche zu erblicken als Nordlichter. Elche fühlen sich nämlich bei den minus 20 Grad ziemlich wohl. Und weil die Tiere nicht gerade unauffällig sind, sieht man sie auf zugefrorenen Seen in der Dämmerung wandern, in Gebüschen an Zweigen knabbern oder aus dem fahrenden Zug.

Temperaturen und Schnee

Die Temperaturen in Nordschweden sind genau das richtige für Elche, aber ein Mensch fühlt sich hier ohne passende Klamotten nicht lange wohl. Je nachdem wie lange man vor hat, draußen zu sein, umso wichtiger ist es, sich mit konformer Kleidung auszustatten. Bucht man die Skystation oder etwa eine Schlittenhundetour, dann statten einen aber auch die Veranstalter mit entsprechender Kleidung aus. Man sagte uns, dies läge vor allem an Touristen aus ferneren, wärmeren Ländern, die sich unter minus 20 oder 30 Grad nicht wirklich etwas vorstellen können.

Ab November steigt die Temperatur selten noch über den Gefrierpunkt. Der Schnee kumuliert und erreicht dann im Januar stellenweise über einen Meter.

Aktivitäten in Kiruna

Von Kiruna kann man das Eishotel Jukkasjärvi mit einem Linienbus erreichen. Er fährt mehrmals täglich und ist binnen einer Stunde am Ziel. Die Fahrt durch das verschneite Lappland ist bereits schon lohnend. Das Eishotel ist leider nicht sehr günstig. Wer 250 SEK bereit ist zu zahlen (Stand: 2013), der kann sich zahlreiche Eisskulpturen und ein Zimmer anschauen und einen Wodka aus einem Eisglas trinken.

Auch lohnenswert ist es, sich die Veranstaltungen in Kiruna anzuschauen. Ob Rentierrennen oder Eisskulpturenfestival, sogar ein Post-It-Klebe-Wettbewerb soll es im Gemeindehaus gegeben haben.

Daneben lohnt sich auch die Stadt zu Fuß zu erkunden. Die rote Holzkirche sowie die alte Feuerwache daneben sind sehr sehenswert. Im Rathaus gibt es eine Dauerausstellung über die Zukunft Kirunas, denn die Stadt wird in den nächsten Jahren ab- und fünf Kilometer östlich wieder aufgebaut. Mehr Infos hierüber gibt es bei Wikipedia.

Auch in Kiruna wird es sicherlich viele wintersportliche Möglichkeiten geben, hier habe ich aber keine Erfahrung gesammelt.

Unterkünfte

In Kiruna gibt es mehrere Unterkünfte. Wir verbrachten die Nacht im Hotell Samegården. Das ist für den schmalen studentischen Geldbeutel erschwinglich und von der Ausstattung ausreichend. Die Zimmer befinden sich im ersten Stock, im Erdgeschoss gibt es ein Zentrum und ein kleines Museum über die Samenkultur.

In Abisko ist die Abisko Turiststation sehr empfehlenswert. Hier hatten wir eine Stuga für vier bis sechs Personen. Es gibt aber auch normale Zimmer im größeren Gebäudekomplex. Die Turiststation ist ungefähr einen Kilometer außerhalb von Abisko Downtown. Entsprechend benötigt man etwas längere Zeit zum Supermarkt. Und wenn man wie wir Glück hat, begegnet man auf dem Rückweg ein paar Elchen. Bei uns waren es vier, mit denen wir fast buchstäblich zusammengestoßen wären. Beim Markt bekommt man alles, von Essen über Hygieneartikel bis zu Dekoartikeln. Aber Achtung: Wer Alkohol über 3,5% kaufen möchte, muss hier vorbestellen. Ein Systembolaget gibt es nur in Kiruna.

An- und Abreise

Von Arlanda (Stockholm) aus fliegt SAS täglich den Flughafen an, manchmal mehrfach täglich. Daneben gibt es auch Flüge aus Luleå und Kopenhagen. Es gibt einen Flughafenbus, der extra für die zwei oder drei täglichen Flüge von hier aus ins Stadtzentrum fährt.

Die Reise nach Abisko funktioniert per Bahn. Vom Hauptbahnhof, den man von den meisten Hotels in Kiruna aus zu Fuß erreichen kann, fährt zweimal täglich ein Zug nach Abisko Östra (Downtown) und Abisko Turiststation. Der Preis liegt bei rund 80 SEK und die Reisedauer bei 1 Std. 30 Min.

Text und Bilder: Heiko Fleschen

 

Hotels und andere Unterkünfte
in Abisko und Kiruna

Die beiden im Artikel erwähnten Hotels und rund ein Dutzend weitere können auch hier online gebucht werden:

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Über den Autor

Heiko Fleschen

Dieser Artikel (Text und Bilder) stammt von Heiko Fleschen. Heiko hat nicht nur viel Spaß an Schweden, sondern auch an der schwedischen Sprache. In seinem Blog swdeen.tumblr.com  schreibt er auf unterhaltsame Weise über die Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen dem Schwedischen, Deutschen und Englischen.

Wer Fragen zum Artikel hat oder Hilfe bei der Planung einer Nordschweden-Reise braucht, kann sich gern mit Heiko per E-Mail in Verbindung setzen .

 

 

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Quellen und weiterführende Links

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