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Motorradspuren im Wald
So sieht es mancherorts in schwedischen Wäldern aus: Hier haben Motorradfahrer deutliche Spuren hinterlassen

Klischees, Vorurteile und Mythen

Schweden ist ein wunderbares Land. Schweden hat eine traumhafte Natur. Und Schweden hat liebe, praktische und erfindungsreiche Menschen. Deshalb fühlen wir uns wohl in unserer neuen Heimat.

Über Schweden sind aber auch viele schöne Behauptungen im Umlauf, die sich bei näherem Hinsehen — zumindest teilweise — als Klischees, Vorurteile und Mythen erweisen. Dazu fallen uns folgende Beispiele ein:

Schweden ist führend in der Verkehrssicherheit

Die Schweden haben früh das Internet entdeckt, haben die Entwicklung der Mobiltelefonie vorangetrieben und gehen heute virtuos mit den sozialen Medien um. Diese IT-Gesellschaft wehrt sich mit Händen und Füßen (und allerlei Ausreden) gegen ein Handyverbot am Steuer. Es kann aber nicht ohne Risiko sein, während der Autofahrt SMS zu schreiben oder ohne Freisprechanlage zu telefonieren. Wenn man in Schweden einen Wagen vor sich hat, der langsam kriecht oder gar Schlangen fährt, ist der Fahrer in der Regel nicht betrunken, sondern er schreibt eine SMS oder telefoniert. In Schweden wird deshalb auch immer seltener geblinkt, denn dafür würde man ja drei Hände brauchen. — Seit 1.12.2013 ist das Benutzen von Handy und Co. im Auto nur noch erlaubt, wenn es nicht verkehrsgefährdend ist. Ein generelles Verbot ist das nicht.

Schweden ist führend im Natur- und Umweltschutz

In Schweden gibt es das Jedermannsrecht. Es verbietet das Fahren mit motorbetriebenen Fahrzeugen in der Natur — zum Schutz des Waldes, zum Schutz der Tiere und zum Schutz der Menschen, die in der Natur Erholung suchen. Man darf nicht stören und nicht zerstören. Es gibt aber Gebiete in Schweden, wo Wälder kaputtgefahren werden. Hier sind Motorräder und vor allem "fyrhjulingar" (Quads, ATVs) auf illegalen Motocross-Strecken unterwegs. Und weder die Polizei noch die Gemeindebehörden greifen ein. (In einigen Gemeinden beginnt man sich nun aber zu wehren, so z. B. in Haninge  bei Stockholm.)

Schrott in den Wäldern ist ein anderes großes Problem, das vielerorts in Schweden ignoriert wird.

Schweden nutzt überdies seinen Wald so intensiv, dass es kaum Wälder gibt, die älter als 80 Jahre sind. Alter Wald ist in Schweden sehr selten geworden. Er macht nur noch 6 oder 7 Prozent der Waldfläche aus. Deshalb verschwinden viele Arten. Schweden liegt in puncto "alter Wald" auf einem der letzten Plätze in Europa .

Überdies werden Schädlingsbekämpfungsmittel in der schwedischen Landwirtschaft großzügiger eingesetzt als in Nachbarländern, berichtet der Schwedische Naturschutzverein SNF .

Schweden ist führend bei der Gleichberechtigung

Am Arbeitsplatz und in den Großstadtregionen mag das so stimmen. Zu Hause in den ländlichen Regionen ist es aber wie zu Hägars Zeiten, nur dass die Nachfahren der Wikinger nicht mehr andere Länder plündern. Sie vergnügen sich statt dessen mit Golfen, Jagen und Angeln. Oder mit Motorboot, Motorrad oder "fyrhjuling" fahren (siehe oben). Oder mit allerlei Vereinigungen, Clubs und Gesellschaften. Die Frauen kümmern sich derweil ums Einkaufen, Essen machen, Putzen und um die Kinder. Die Frauen sieht man auch seltener auf der Straße als die Männer. Zumindest auf dem Land beobachten wir das.

Die Schweden sind hartgesottene Naturmenschen

In der Tat schlafen wohl viele Nachfahren der Wikinger heute mit geschlossenem Fenster und laufender Heizung. Deshalb gibt es in Schweden auch kaum vernünftige Schlafanzüge zu kaufen — man schläft halt in kurzer Hose und T-Shirt oder ganz ohne. Unsere Kinder kommen oft von Übernachtungen bei ihren Freunden nach Hause und sagen: "Papa, ich habe kaum Luft gekriegt, das war so warm bei denen."

Die Schweden leben gesund

Wenn wir Besuch aus Deutschland haben, ist der oft entsetzt über die Vielzahl dicker Kinder in Schweden. Wir haben keine Ahnung, ob es tatsächlich mehr als in Deutschland sind, aber wir glauben es. Dabei erschreckt uns auch, dass nicht wenige dieser übergewichtigen Kinder schlanke Eltern haben. Wie geht das? Schweden liegt weltweit auf einem unrühmlichen ersten Platz, was den Zuckerkonsum angeht. 50 Kilo pro Person und Jahr! Das beginnt auch schon in Kindergarten und Schule. Bei jedem Geburtstag wird Eis verteilt, manchmal sogar Kuchen oder andere süße Dinge. Unseren Sohn mussten wir deshalb schon mal aus der Schule holen, weil ihm von dem süßen Zeug vor dem Mittagessen schlecht geworden ist. Die Zahnärzte kämpfen mit "lördagsgodis" dagegen — man soll nur einmal in der Woche Süßes essen, am Samstag (dann aber bis zum Umfallen, ergänzen wir).

Die Schweden sind freizügig — Stichwort: "schwedische Sünde"

Nee, Schweden sind manchmal schrecklich verklemmt. Und das wird ihnen leider schon in Kindergarten und Schule so beigebracht. Nacktsein gibt es da nicht. Weder für zweijährige Kinder bei 30 Grad unterm Gartenschlauch noch für achtjährige Kinder in der Umkleide nach dem Sport. Am Strand ziehen sich erwachsene Männer ein Röckchen um, wenn sie die Badehose wechseln wollen. Wie in Amerika.

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