15 Jahre lang habe ich in der Kölner Südstadt gewohnt, nur wenige Meter vom Rhein entfernt. Je sauberer der Fluss wurde, desto mehr Stechmücken kamen im Sommer. In den letzten Jahren war es nur noch mit Mückenschutznetzen vor dem Schlafzimmerfenster auszuhalten. Hier in Schweden habe ich keine Mückenschutznetze, obwohl ich immer mit offenem Fenster schlafe. Vielleicht habe ich auch nur Glück.
Tatsache aber ist, dass ich auch schon in anderen Regionen Schwedens bei Ausflügen oder beim Schlafen mit offenem Fenster kaum Probleme mit Mücken hatte. In Värmland bin ich sogar schon im T-Shirt und in kurzer Hose auf Kanutour gegangen, habe dabei im Wald Picknick gemacht (verschwitzt!) – und keine Mücke trübte das Vergnügen.
Mückenverseuchte Gebiete
Dass es anders gehen kann, habe ich auch schon erlebt. Als Vierzehnjähriger kam ich einmal in Dalarna von einer Wanderung am Västerdalälven mit geschwollenem Nacken zurück, weil mich so viele Mücken gestochen hatten. Abends bekam ich dann Fieber. Das waren wohl damals keine normalen Waldmücken, sondern Überschwemmungsmücken gewesen.
Einige wenige Gebiete in Schweden sind so stark von Mücken betroffen, dass man ihre Brut aus dem Hubschrauber heraus mit Bio-Insektiziden bekämpft, obwohl das in Schweden aus Natur- und Umweltschutzgründen kontrovers ist (in Deutschland wird das Mittel BTI dagegen schon seit 30 Jahren verwendet).
Diese wenigen Gebiete liegen in der Nähe von regulierten Flüssen, z. B. am Unterlauf und im Mündungsgebiet des Dalälven (ganz extrem: Österfärnebo in Sandviken) oder in Mittelvärmland am Klarälven (Deje). Auch am Torne älv in Haparanda und Övertorneå sowie am Västerdalälven östlich von Vansbro habe ich solche Mückenplagen erlebt. Diese Gebiete sollte man zu bestimmten Zeiten meiden, wenn man einen erholsamen Urlaub verbringen will. Gemütliches Draußensitzen gibt es da kaum, zumindest in der schlimmsten Mücken-Periode, den vier Wochen nach Mittsommer.
Die Weibchen dieser Überschwemmungsmücken legen ihre Eier an den Ufern von Flüssen ab, die überschwemmt werden können. Gibt es keine Überschwemmungen zum richtigen Zeitpunkt, gibt es auch keine Mückenplage. Es ist aber unmöglich, solche Überschwemmungen vorherzusagen. Da, wo heute eine Mückenplage herrscht, kann es nächstes Jahr recht friedlich sein. Mit den Überschwemmungsmücken ist es also wie mit dem Wetter – es kann so oder so sein.
Kriebelmücken („knott“) und Bremsen
Ende Mai und im Juni haben wir allerdings manchmal Mückenprobleme anderer Art. Bei feuchten, windstillen Wetterlagen und vor allem abends kommen nämlich „knott“. Das sind Minifliegen oder ganz, ganz kleine Mücken. Man sieht sie kaum und hört sie nicht. Man merkt nur plötzlich, dass man rote Ohren bekommt und es juckt. Am Niederrhein nennt man diese Plagegeister „Kriebelmücken“. Diese Minimücken kommen aber nicht ins Haus, allerdings ins Zelt. (In manchen Gebieten von Deutschland sagt man wohl „Gnitzen“. Ich glaube allerdings, dass das andere Mücken sind.)
Im Hochsommer treten oft Bremsen (schwedisch „bromsar“) auf, vor allem in Wassernähe und bei Sonne. Dagegen hilft nur Einschmieren mit Mückenschutzmittel. Oder schnelles Zuschlagen.
Mein Mücken-Fazit
In manchen Gebieten Schwedens, vor allem im Süden, habe ich kaum mehr Mücken erlebt als in der Innenstadt von Köln. Es gibt aber Gebiete in Schweden, wo vor allem Überschwemmungsmücken zu bestimmten Zeiten eine große Plage sind. Das ändert sich aber von Jahr zu Jahr und lässt sich schwer vorhersagen.
Normale Waldmücken, die nahezu überall in Schweden von Mai bis Oktober vorkommen, haben mir aber noch nie einen Urlaub vermiest. Wie stark diese Waldmücken auftreten, ist ebenfalls sehr wetterabhängig und variiert von Region zu Region und von Jahr zu Jahr. Generell gilt aber, dass diese Mücken besonders in Nordschweden zu finden sind, vor allem von Mittsommer bis ungefähr Ende Juli.
Manche Schweden meinen übrigens, dass ein paar Mücken einfach zum Sommer gehören. Ohne Mücken würde ihnen etwas fehlen.
Meine Mücken-Tipps
- Oft Duschen und Waschen. Mücken werden nämlich durch Körperdüfte angezogen.
- Kein Parfüm nehmen.
- Keinen Alkohol trinken (ja, sorry).
- Helle Kleidung anziehen. Mücken landen nämlich lieber auf dunkler Kleidung.
- Kopfbedeckung – in schlimmeren Regionen auch Ohren und Nacken schützen.
- Lange Hosen und Pullover mit längen Ärmeln.
- Mückenschutzmittel zum Einreiben (auch als „Roll-on“) oder zum Aufsprühen, z. B. Autan von Bayer oder ähnliche Mittel aus schwedischen Apotheken (z. B. „Nordic Summer“, „MyggA“).
- „After Bite“ (Stift aus der Apotheke), Fenistil Gel, Systral oder ähnliche juckreizstillende, kühlende Mittel sofort auftragen, wenn die Mücke/Bremse gestochen hat. Manche nehmen auch Tigerbalsam oder aufgelöstes Kukident – jeder hat so sein eigenes Wundermittelchen.
- Mückenspiralen: Sie zündet man z. B. auf der Terrasse an, dann glimmen sie langsam, und ihr Rauch hält die Plagegeister einigermaßen auf Abstand. Es gibt auch entsprechende Kerzen und Teelichte.
- Mückenfreie Tageszeiten nutzen: Ausflüge und Aufenthalte im Freien besser tagsüber als spätnachmittags und abends machen, denn Mücken kommen vor allem in der Dämmerung.
- Meidet Wald- und Sumpfgebiete, vor allem bei Regen und dichter Wolkendecke.
- Macht Eure Wanderungen bei Wind, denn Mücken mögen keinen Wind.
- Meidet die Mückenzeit und kommt im Mai oder Anfang Juni nach Schweden. Da gibt es in der Regel keine Mücken.
Als Hausbesitzer kann man auch Folgendes machen:
- Den Rasen ganz kurz halten. Überdies Büsche, Sträucher, Bäume und hohes Gras in Hausnähe entfernen.
- Wasser sollte nirgendwo stehen, also weder in Blumentöpfen noch in einer Schubkarre noch in den Dachrinnen. Tonnen, in denen man Regenwasser aus Fallrohren sammelt, sind besonders schlimm. Ich habe auch schon einmal den Tipp gelesen, dass man dem Wasser Spülmittel hinzusetzen soll, damit sich quasi eine Haut auf dem Wasser bildet. Sobald die Tonne aber überläuft, ist der Effekt weg.
Ein Mückenschutzmittel aus der schwedischen Apotheke. Es soll auch gegen Zecken wirken.
Bild: Midsona Sverige AB


