Maut in Stockholm und Göteborg – Stand 2017

Oft heißt die Maut auch: Citymaut, Straßenmaut, Staugebühr

Straßenmaut in Göteborg

VisitSweden in Hamburg hat am 27.1.2015 eine Pressemitteilung zur Citymaut veröffentlicht. Die Mitteilung enthält folgende Informationen für deutsche Touristen:

Wichtig für die Reiseplanung: Citymaut gilt jetzt auch für Pkw aus dem Ausland. Seit dem 1. Januar 2015 sind im Ausland registrierte Pkw und Wohnmobile nun ebenfalls von der Citymaut in Stockholm und Göteborg betroffen. Bislang waren sie von der „Trängselskatt“ genannten Maßnahme, die das Verkehrsaufkommen in den beiden Großstädten insbesondere zu Zeiten des Berufsverkehrs drosseln soll, befreit.

Das bedeutet: Wer nun mit seinem Fahrzeug zu bestimmten Zeiten eine Kontrollstation im jeweiligen Innenstadtbereich passiert („Betalstation“), wird automatisch mittels einer Fotografie des Kfz-Kennzeichens registriert. In Stockholm ist das montags bis freitags zwischen 06:30 Uhr und 18:29 Uhr der Fall, in Göteborg muss an diesen Tagen zwischen 06:00 Uhr und 18:29 Uhr gezahlt werden.

Von dieser Regelung ausgenommen sind der gesamte Monat Juli, Feiertage sowie Werktage, die direkt vor einem Feiertag liegen. Dabei variieren die anfallenden Gebühren je nach Tageszeit. Welcher Tarif gerade gilt, wird anhand von digitalen Anzeigetafeln im Bereich der Kontrollstationen angezeigt. Bezahlt wird generell nicht direkt an Ort und Stelle.

Stattdessen gibt es eine monatsweise Abrechnung, die per Post zugestellt wird — auch im Ausland. Die Rechnung muss dann bis zum Ablauf des Folgemonats per Überweisung beglichen werden.

Detaillierte Informationen zur Citymaut gibt es bei Transportstyrelsen auch in deutscher Sprache:

http://transportstyrelsen.se/en/Other-languages/Deutsch-German/Staugebuhren-in-Stockholm-und-Goteborg/

Nun also Maut auch für ausländische Fahrzeuge

Seit Anfang 2015 werden also auch alle Fahrzeuge (jedoch keine Motorräder) mit ausländischen Kennzeichen erfasst. Wir glaubten zunächst aber, dass man damit in erster Linie Personen treffen wollte, die in Schweden wohnen und regelmäßig mit einem ausländischen Fahrzeug in Stockholm und Göteborg unterwegs sind (z. B. die zahlreichen polnischen, litauischen und lettischen Bauarbeiter).

Bislang waren wir auch im Glauben, dass ausländische Touristen, die nur einige Male durch die Mautstationen in Stockholm und Göteborg fahren, keine Veränderung befürchten müssen. Dem ist offenbar nicht so.

Wie wir von vielen Lesern in Deutschland in den Jahren 2015 und 2016 erfuhren, haben sie Rechnungen über wenige Euro zugeschickt bekommen, nachdem sie mit ihrem Auto in Stockholm oder Göteborg unterwegs waren. Zahlungsempfänger ist offenbar ein Inkassounternehmen, die ParkTrade Europe AB. Bei Überschreitung der Zahlungsfrist wird gleich ein Verzugszuschlag von 500 SEK (!) in Rechnung gestellt.

Viele Leser haben aber nie die erste Rechnung erhalten, sondern gleich eine Rechnung mit Säumniszuschlag. Überdies sind erstaunlich viele darunter, die mit ihrem Auto überhaupt nicht in Schweden waren.

Wir fragen uns, ob die schwedische Behörde bzw. ihr Inkassounternehmen auch tatsächlich versucht, Kleinbeträge in einem Inkassoverfahren einzutreiben. Offenbar nicht, und bislang haben wir auch noch von keinem solchen Fall gehört. Aber wer häufiger nach Schweden fährt, muss wohl damit rechnen, dass er beim nächsten Grenzübertritt oder bei der nächsten – höchst seltenen – Polizeikontrolle auffällt, wenn er diese Steuerschulden hat.

Zwei wichtige Hinweise noch:

  • Niemand muss sich vorher irgendwo mit seinem Auto registrieren; die Erfassung des Fahrzeugs erfolgt automatisch (offenbar jedoch mit gelegentlichen Fehlern).
  • Der gesamte Juli ist von der Maut ausgenommen.

Schreibt uns bitte über Eure eigenen Erfahrungen.

Brückenmaut in Sundsvall und Motala

Auf den beiden neu gebauten Brücken in Sundsvall und Motala wird die Maut auf die gleiche Weise erhoben. Kein Anhalten ist nötig – die Kennzeichen werden automatisch erfasst. Die Rechnung kommt dann nach Hause, auch nach Deutschland und auch dann, wenn es ein Kleckerbetrag ist (für eine Fahrt 9 bzw. 11 SEK).

Einspruch einlegen – wie?

Falls Ihr eine ungerechtfertigte Rechnung erhalten habt, würde ich Einspruch einlegen, und zwar auf deutsch und hier: www.transportstyrelsen.se/sv/vagtrafik/Trangselskatt/Omprovning/ . (Dies ist keine Rechstberatung, nur ein persönlicher Tipp.)

Wir haben die Presse informiert

Auf die Ungereimtheiten dieser Regelung haben wir unsere lokale Presse und einige schwedische Tourismusverbände aufmerksam gemacht. Leider wollte sich niemand dieses Themas annehmen. Kann sein, dass es zu unbequem ist.

Zum Hintergrund der Maut

Trängselskatt

Die Straßenmaut wurde zunächst in Stockholm eingeführt, Anfang 2013 dann auch in Göteborg. In Stockholm waren die Proteste bei der Einführung groß, sind aber im Laufe der Zeit abgeflaut. Meinungsumfragen sagen, dass die Maut mittlerweile überwiegend akzeptiert sei. Die Maut wird übrigens als Staugebühr deklariert (schwedisch „trängselskatt“, Gegner der Maut sagen aber meist „vägtull“, also Wegezoll).

Automatische Erfassung

Die Fahrzeuge werden automatisch an Mautstationen erfasst. Das erfolgt mit Hilfe von Kameras. Niemand muss also an Kontrollpunkten anhalten.

Citymaut in Stockholm

Die Maut in Stockholm war anfänglich anders konzipiert als in Göteborg. Die Maut wurde tatsächlich nur bei der Einfahrt zur Innenstadt erhoben und sollte so der hohen Verkehrsbelastung entgegenwirken, die Umwelt verbessern und zur Finanzierung von Infrastrukturmaßnahmen beitragen. Seit Januar 2016 wird die Maut aber auch auf dem Essingeleden E4 erhoben, wenn man an Stockholm vorbeifährt (z. B. nach Uppsala).

Citymaut in Göteborg

In Göteborg wird die Maut in der Innenstadt und auf der Durchfahrtstrecke E6 erhoben. Hier hat die Maut nicht annähernd die Akzeptanz gefunden wie in Stockholm. In Göteborg hat es sogar nachträglich eine Volksabstimmung über die Maut gegeben. Obwohl die Volksabstimmung eine Mehrheit für die Abschaffung der Maut ergab, ignorieren die Politiker das Ergebnis. Große Teile der Bevölkerung fühlen sich deshalb von ihren Politikern „überfahren“.

Västlänken in Göteborg

In Göteborg sollen die Gelder aus der Maut u. a. dazu dienen, einen Tunnel für Nahverkehrszüge durch Göteborg zu graben („Västlänken“). Dessen Sinn ist aber höchst strittig. Der Tunnel wird die Stadt über viele Jahre hinweg in ein Bauchaos stürzen, den Tourismus und die Messe treffen (der Tunnel soll direkt vor Liseberg, Gothia Towers und der Messe gegraben werden) und die Zugfahrt vom Süden her (Kungsbacka) um zehn Minuten verlängern. Für Fernzüge oder eine mögliche U-Bahn wird der Tunnel nicht zu nutzen sein. Überdies sind die tatsächlichen Kosten des Projekts nicht abschätzbar. Göteborg hat nämlich einen tückischen Lehmboden, der Bauprojekte oft kompliziert und unberechenbar macht.

Teure Maut

Gegner der Maut weisen auch darauf hin, dass sie teuer ist: Rund ein Drittel der eingesammelten Gebühren gehen für die Kosten des Systems drauf. Bei den von ausländischen Fahrzeugen erhobenen Gebühren dürfte das Missverhältnis noch viel größer sein.

Mietwagen

Wer ein Auto in Schweden leiht und damit durch die Mautstationen fährt, bekommt die Gebühren bei der Schlussabrechnung von seiner Mietwagenfirma in Rechnung gestellt. Die Gebühren werden mit einem Aufschlag weiterberechnet, der meist bei 20% liegt.

Straßenmaut in Stockholm

Straßenmaut in Stockholm

Bild oben auf der Seite: Straßenmaut in Göteborg (Bild: Transportstyrelsen), das Bild zeigt den Mölndalsvägen; Bilder unten: Straßenmaut in Stockholm (Bilder: Mikael Ullén)